Einzelausstellungen, Auswahl

 

 

Verschwundene Landschaften
Aedes Architekturforum, 2021

Ausstellungseröffnung
© Bild: Erik-Jan Ouwerkerk
Ausstellungseröffnung
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© Bild: Erik-Jan Ouwerkerk

Ursula Schulz-Dornburg
Verschwundene Landschaften
Fotografien 1980 - 1998

Das Sich-Auflösen von Landschaften und Architekturen und damit das Verlorengehen gesellschaftlicher und kultureller Erfahrungen stehen im Zentrum der Arbeiten der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg.

Die Ausstellung zeigt fünf Werkzyklen ihrer Spurensuche: Erster Zyklus sind die Felsenhöhlen syrischer Mönche an der georgisch-aserbaidschanischen Grenze. Brüchiges Land wie von Wellen überzogen, in denen sich die Eingänge in die tiefliegenden Klosterräume verbergen. 

Dann die Werkgruppe zum Irak: Das Reich der Ma‘dan war eines der ältesten zu jener Zeit noch existierenden Kulturvölker. Eine Welt aus Wasser, Himmel und Horizont. Auf kleinen
Inseln die nomadisch leichten Architekturen aus Schilf. Der Fotografin war bewusst, dass die Häuser und ihre Bewohner aus politischen Gründen verschwinden werden. 1993 begann Saddam Hussein die Kultur der Ma‘dan zu zerstören, indem er die Sümpfe trockengelegt und die Menschen vertrieben hat, Wasser und Erde wurden durch angereichertes Uran für Generationen verstrahlt.

Ein dritter Zyklus der Ausstellung zeigt die Architekturen der Tana Toraja in Sulawesi mit ihren ausladenden Dächern. Im Zentrum der Fotografien steht der Reisspeicher, der Lumbung, in seiner originären Bedeutung als Ort der Gemeinschaft. Die Documenta Fifteen übersetzt seine Geschichte in Strukturen des contemporary networking. Der Lumbung als kollektiver Platz des Teilens, der politischen und kulturellen Debatte. 

Die erstmals veröffentlichte Werkgruppe der Bugis Houses in Celebes bildet den vierten Zyklus. Sie waren Behausung der Reisbauern und Schutz vor der natürlichen wie auch der
übernatürlichen Welt. Jedes Haus war dem menschlichen Körper nachempfunden und beinhaltete drei Welten. Der Bugis-Ursprungsmythos, der sich nicht auf ein konkretes
Königreich beschränkt, findet sich am Anfang der längsten bekannten Epen der Weltliteratur. Die Publikation von Mack Books nimmt Bezug dazu und begleitet die Ausstellungspremiere. 

Zum fünften Zyklus ist ein Aedes Katalog entstanden. Der Weg der Fotografin führt von Sanaa nach Mar’ib im Jemen. „Das ganze Land ein System von Zeichen“ schreibt Peter Kammerer im Katalog, dem die DVD eines Gesprächs im British Museum über frühe Kulturen im Jemen, Schrift, Empire, Archive, Forschung und europäisches Sammeln beiliegt.

(Pressemitteilung)

 

Link Katalog bei Aedes

Die Teilung der Welt
Zeugnisse der Kolonialgeschichte
Aedes Architekturforum, 2020

Zone Grise 
Maison européenne de la photographie, Paris, 2019/2020

© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
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© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

No man’s land 
British Museum, 2018 

"The British Museum presents a new display that will explore present and ancient perspectives on the territories, landscapes and borders of the Middle East. While the first acknowledged borders were natural, human society replaced these with man-made borders that have led to inevitable conflict throughout history. This new Asahi Shimbun display, No man’s land, brings together a selection of objects separated by over four thousand years that embody human’s inability to exist comfortably within agreed borders. ..."

The Asahi Shimbun Displays No man’s land

Press release

 

Vorhänge am Markusplatz 
Ein orientalisches Zelt auf dem Meer 
Raketenstation Hombroich, 2018 

© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
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© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

The Land In-Between
Städel Museum, Frankfurt, 2018

© Bild: Barbara Klemm
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

Kunst nach 1945, Staedel Museum

Bricks and Mortals
Gallery Luisotty, Santa Monika, 2017

Auf dem Weg nach KRONSTADT 
Galerie Elke Dröscher - Kunstraum Falkenstein, Hamburg, 2017

 

Ensō: Ursula Schulz-Dornburg and Taizo Kuroda
Tristan Hoare gallery, London, 2016

Architekturen im Atombombentestgebiet
Galerie Elke Dröscher - Kunstraum Falkenstein, Hamburg, 2015

Structure and Clarity
mit Charlotte Posenenske
Tate Modern, London, 2014

© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

Charlotte Posenenske and Ursula Schulz-Dornburg both explore the intersection between architecture, mass-produced objects and found sculptural forms.

Posenenske’s democratic concept of art was realised in works that she compared to ‘building elements’. Increasingly interested in industrial methods of production, she began to produce free-standing sculptures which often resemble standardised architectural units. These were designed to be replicated in unlimited editions. Prototype for Revolving Vaneis the original model which Posenenske went on to use for a series of box-like constructions in the form of a room, articulated and open to various arrangements and configurations. This prototype was made from found particle board on which the remnants of graffiti can be seen, highlighting the artist’s use of cheap, easily available materials.

Like Posenenske’s sculptures, Schulz-Dornburg’s photographs highlight the presence of architectural forms in the everyday landscape. From 1997 to 2005, Schulz-Dornburg returned repeatedly to Armenia to document its concrete bus stops. Built in the 1970s and 1980s, these bus stops represented the golden age of socialist construction. Each one was unique, designed by a different architect. Combining creativity and spectacle with a utilitarian, functional role, the structures are at odds with the ethos of mass production usually associated with the Soviet era. Schulz-Dornburg photographed the bus stops as she found them, with people present, highlighting their ongoing functionality but also making clear the ironic gap between intention and effect. While the designs of the bus stops suggest protection, they often left their users very much exposed to the elements.

Curated by Shoair Mavlian

www.tate.org.uk

Kurchatov
Architekturen im Atombombentestgebiet
AEDES, Berlin, 2014

Mit den Ausstellungen 'Architekturen des Wartens', 2004 , und 'Tongkonan, Alang and the House without Smoke', 2008 , ist "KURCHATOV - Architekturen im Atombombentestgebiet" die dritte architektonische Spurensuche der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg, die wir innerhalb von 10 Jahren bei Aedes präsentieren können. Die 1938 in Berlin geborene Fotografin hatte im Oktober 2012 die Möglichkeit, im ehemaligen Atomtestgebiet der UdSSR- nahe der Stadt Kurchatov, zu fotografieren. Kurchatov liegt ca. 600 km östlich von Astana, an der Grenze zu Sibirien. 60 km von diesem Ort entfernt befinden sich die Überreste städtischer Referenzen, wie Häuser, Straßen, Brücken, Metroeingänge usw., die zwischen 1947/48 im Atombombentestgebiet entstanden, um an ihnen die Zerstörungskraft der Atombomben zu untersuchen. Zwischen 1949 und 1991 wurden dort ungefähr 480 Atombomben gezündet.

Die Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg bilden die Reste betonierter Hinterlassenschaften einer Zeit größenwahnsinnigen Wettrüstens ab und sind die stummen Zeugen dieser bis zum Horizont reichenden zerstörten Topographie. Sie zeigen Architekturen, die im Namen der Wissenschaft, Macht und vermeintlichen Heldentums entstanden sind. Heute, beraubt jeglicher Messtechnik und wissenschaftlichem Zubehör, wirken sie wie architektonische Skulpturen in einer surrealen Landschaft, die kontaminiert ist bis zum Weltende. Doch die Fotografien beklagen nichts. Die Schwarzweißaufnahmen sind eigenständig, von großer Klarheit, Tiefe und Anziehungskraft, in denen der Betrachter selbst zum Suchenden wird.

Auf einer zweiten Ebene dieses Zyklus aber bewahrt uns die Fotografin, durch den feldforschenden und spurenbewahrenden Teil ihrer Arbeit, vor dem Vergessen. Kurz vor dem endgültigen sich Auflösen der Landschafts- und Architekturkonstellationen bringt die Fotografin eine Zeit in unser Gedächtnis zurück, in der tausende von Menschen ahnungslos den Folgen von über- und unterirdischen Atombombentests ausgesetzt waren und in der Tiere als lebende Fallstudien benutzt wurden, um an ihnen die Kraft und Auswirkung atomarer Strahlung zu messen.

Zusätzliche Archivaufnahmen, die Schulz-Dornburg zusammen mit ihrem Assistenten Aljoscha Puschkin im Museum in Kurchatov und im Eco Museum in Karaganda abfotografieren konnten, bilden den Inhalt der begleitenden Dokumentation im Zeitungsformat. Diese Fotos aus der Zeit der Atomtests und danach zeigen den sukzessiven Verfall der jetzt von der Fotografin aufgespürten und nur noch latent vorhandenen Anlage.

Die Arbeiten Ursula Schulz-Dornburgs sind heute Teil der Sammlungen von Museen, wie Tate Modern in London, Musée d´Art Moderne in Paris, Instituto Valenciano de Arte Moderno, Ludwig Museum in Köln, uvm. Wir danken der Fotografin, dass wir diese neue Arbeit bei Aedes zeigen können.

Some Works
Museum für Fotografie, Staatliche Museen zu Berlin
Giorgio Mastinu Fine Art, Venedig

Kurchatov
Architekturen im Atombombentestgebiet
Raketenstation Hombroich, 2014

Bus Stops 
Gallery Luisotti, Santa Monica, 2014

Kronstadt
Raketenstation Hombroich, 2013

Transformed Visions
mit Mark Ruwedel 
Tate Modern, London, 2013

© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

Transformed Visions
Mark Ruwedel and Ursula Schulz-Dornburg


Two photographic series by Mark Ruwedel and Ursula Schulz-Dornburg reveal their ongoing engagements with traditions of landscape photography, and particularly with
the impact of human activity on the environment. Ruwedel merges documentary and conceptual approaches to image-making, focusing on the ways in which geographical, historical and political situations are inscribed on the earth’s surface. Wendover Air Force Base: Nine Bomb Craters, Utah 1999 is from the series The Italian Navigator, in which Ruwedel tracked and documented the development and testing of nuclear bombs throughout the United States.‘ As a landscape photographer I have come to think of the earth as being an enormous historical archive’, he has said. ‘I am interested in revealing the narratives contained within the landscape, especially those places where the land reveals itself as being
both an agent of change and the field of human endeavour.’ Since the late 1970s Schulz-Dornburg has depicted what she considers to be disappearing landscapes. For Train Stations of the Hejaz Railway 2003, she travelled to Saudi Arabia to photograph the remnants of the Hejaz Railway. Constructed under Ottoman rule at the beginning of the twentieth century, the railway was intended to connect Damascus to Mecca. However, due to the outbreak of the First World War, the project was never completed. Schulz-Dornburg draws attention to the scale of the landscape along this now abandoned route and, by documenting the disappearing architectural structures, highlights the last remnants of the fallen empire which built them.
The art of photographic printing is a major part of both artists’ practices, and their use of vintage papers and chemicals such as gold-bromide, can be seen as referring back
to the historic tradition of landscape photography. 

Mark Ruwedel was born in 1954 in Bethlehem, Pennsylvania. He lives and works in Long Beach, California. 
Ursula Schulz-Dornburg was born in 1938 in Berlin. She lives and works in Dusseldorf.


Curated by Simon Baker and Shoair Mavlian

Steinschiffe
Kunstmuseum, Bochum, 2013

Fotografien
Galerie Sabine Knust, München, 2013

Von Medina an die Jordanische Grenze 
Pergamonmuseum, Berlin, 2011/2012

Im Vorgriff auf die große Sonderausstellung "Roads of Arabia. Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien", die ab 26. Januar 2012 im Pergamonmuseum zu sehen ist, zeigt das Museum für Islamische Kunst die Fotografie-Serie der Düsseldorfer Künstlerin Ursula Schulz-Dornburg mit Landschaften aus dem Hedschas.

Der Hedschas ist eine endlos weite, in Teilen von unwegsamen Gebirgen durchzogene Wüstenregion. Die Fotografien fangen die Leere dieser kargen Landschaft ein, wie auch die der dort verlaufenen Wegspuren und Schotterpisten, die scheinbar ins Nichts führen: uralte Pilgerwege und Karawanenrouten, auf denen jahrtausendelang Güter vom südlichen Arabien ins nördliche Syrien und umgekehrt transportiert worden sind.

Entlang dieser Wege hat die Künstlerin vor allem aber auch die fremdartigen Zeugnisse einer Zeit festgehalten, die noch nicht allzu lange her, doch trotzdem längst vergangen scheint: versandete Gleise, verlassene Bahnhöfe, verrostete Lokomotiven. Vage Erinnerungen an die Hedschas-Bahn: das einst politisch so hoch verwickelte Eisenbahnprojekt, das in den Jahren 1900-08 vom osmanischen Reich mit deutscher Unterstützung ins Leben gerufen wurde, vor allem um die arabischen Provinzen besser kontrollieren zu können.

Ursula Schulz-Dornburg ist durch zahlreiche Ausstellungen in Europa, im Mittleren Osten und in den USA international bekannt. Den Hedschas hat sie 2003 bereist.

(Presseinformation)

 

Niemandslicht 
Kunstmuseum, Bochum, 2011

© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

Ursula Schulz Dornburg hat die ‚repräsentative‘ Ausstellungshalle zu einem sehr persönlichen Ausstellungsraum modelliert; sie hat deren Größe gebrochen, ohne einzuengen – im Gegenteil: sie hat die Wände geöffnet, um den Blick in eine nahezu grenzenlose Weite zu lenken. Sie hat den Raum mit Stationen ihres künstlerischen Lebens gleich: Schaffens besetzt, Station, die durch diese spezifische Bochumer Situation provoziert wurden. Die frühe Folge der Arkaden des Markusplatzes mit den durch Wind in der Sonne bewegten Vorhängen macht den Auftakt. Die Festigkeit der Architektur, das Tragen und Lasten erhält durch den Wechsel von Licht und Schatten eine nahezu immaterielle Leichtigkeit. Diese Bildauffassung findet sich in ihrem Abbilden von Landschaft wieder, die innerhalb menschlicher Wahrnehmungsmöglichkeiten unveränderliche Tektonik einer Landschaft verliert durch den Prozess der Betrachtung die Endgültigkeit.In ihrer künstlerischen Biographie war ein gemeinsames Ausstellungsprojekt mit Mirosłav Bałka so bedeutsam, dass Schulz-Dornburg diese Begegnung erneut provoziert. Ein Motiv im Werk des polnischen Künstlers stellt die deutsch-polnische Geschichte während des Nationalsozialismus und die unterschiedlichen Perspektiven der gemeinsamen Erfahrung des Holocausts dar. Bałka ließ im Zusammenhang dieser Arbeit den Begriff ‚Dornenkrone‘ fallen, seine Kunst hat einen Verweisungscharakter ist aber nie illustrativ oder anekdotisch. In der Eisenskulptur, die Bałka aus der Abstraktion eines Wohnungsgrundrisses entwickelte, erfährt der Betrachter eine Desorientierung, befindet sich weder in einem Innen noch einem Außen.

Ein mit Worten nicht beschreibbarer Zwischenraum ist auch Schulz-Dornburgs Thema. Die authentischen, historisch und kulturell aufgeladenen Landschaften werden durch die Art und Weise ihrer Ablichtung zeit- und raumlos (so lässt das Licht keine Rückschlüsse auf Tages oder Jahreszeiten zu).

Eine weitere Markierung stellt die ‚Wort – Skulptur‘ von Lawrence Weiner innerhalb der Ausstellung dar. Sein Satz widersetzt sich funktionaler Logik, sprengt die Grenzen eindimensionalen Wahrnehmens und Denkens und provoziert so eine poetische Offenheit.

Obwohl oder gerade weil ihre Bilder geradezu streng konzeptuell komponiert sind, ermöglicht Schulz- Dornburg dem Betrachter eine individuelle Verortung in ihren Bildern und schafft ihm Raum für persönliche Assoziationen. Im Maße wie diese ‚seismographische Photographie‘ die Festigkeit der sichtbaren Oberfläche relativiert, besteht auch die ‚Chance oder Gefahr‘, für den Betrachter, sich in eigene, tief liegende Vorstellungen zu begeben.

(Presseinformation zur Ausstellung)

Solar Position. Horizon Desert. 
The Lichfield Studios, London, 2009

The studio of the late lamented Lord Lichfield is once again being opened up as an exhibition space, almost four years after his death. Running from the 18th of November to the 6th of December 2009, will be an exhibition by the rarely seen German photographer Ursula Schulz-Dornburg. Consisting of two parts, the first called Solar Position features a journey from Santiago de Compostella to Barcelona, a traditional piligrimage route that runs through northern Spain.

Along this are nine hermitages that were built on the edge of the border between Christian and Moorish Spain and contain influences from both 10th century Islamic architecture and Christian Romanesque architecture of the same period.

Places of worship have always been designed with light in mind although unlike the later dominant Gothic designs, this entered Romanesque architecture more sparingly. Here Schulz-Dornburg has captured natural light in each of the nine hermitages throughout the day recording how they become sundials and show their Solar Position.

The second display is Horizon Desert that was snapped in 1980 in Iraq shortly before the outbreak of hostilities with Iran.

Journeying up the Euphrates, Schulz-Dornburg set out to photograph what was once the fertile cradle of civilization and is now a cracked desert with only hints of its former past and Mesopotamian architectural glories. With Iraq having been blasted by almost three decades of constant war, it's a civilisation that is even more distant today.

You can see the exhibition at the Lichfield Galleries at 133 Oxford Gardens, London, W10 6NE on Mondays to Fridays from 11am to 6pm and on Saturdays from midday to 5pm. The nearest tube stations are Latimer Road and White City.

(Pressinformation)

"Horizontabschreitung" 
Arbeiten von Miroslaw Balka und Ursula Schulz-Dornburg 
KUNSTPARTERRE, München, 2009

 

Die Skulpturen Miroslaw Balka´s haben starke Bezüge zu seinem Körper. Nicht, dass sie diesen abbilden, sondern dass sie dessen Dimensionen reflektieren und auf einfache geometrische Formen zurückführen. Balka verwendet einfache industrielle Materialien (Stahl und Beton), aber gerne auch Fundstücke aus seiner Umgebung. Hier im Kunstparterre wird eine Konstruktion aus Eisen die Räume umgreifen/zäunen, zugleich aber einen körperlichen -fast bedrohlichen- Bezug zum Gesichtsfeld des Betrachters herstellen. Miroslaw Balka lebt und arbeitet in Warschau. Es ist seine erste Ausstellung in München, obwohl er international wichtige Ausstellungen hatte: Biennale Venedig 1990, 1993 und 2005; Documenta IX 1992; „Rites of Passage“ Tate Gallery London 1995; Biennale Sao Paulo 1998; „New to the Modern“ Museum of Modern Art N.Y. 2001. Einzelausstellungen: K 21 Düsseldorf 2006; Irish Museum of Modern Art Dublin 2007.

Ursula Schulz-Dornburg ist immer wieder auf der Suche nach einem ihr entsprechenden Ort, sozusagen nach „dem Ort“, der in ihren Gedanken bereits als Ahnung vorhanden ist. Vielleicht kann man ihre Fotografien auch „Landschafts-Skulpturen“ nennen. Im Kunstparterre wird sie im weitesten Sinne mit dem Raum arbeiten, der außerhalb von Balkas Eisenkonstruktion und den Wänden entsteht. Ursula Schulz-Dornburg lebt in Düsseldorf, ein großer Teil ihrer Arbeit geschieht beim „Unterwegssein,“ oftmals in der Einsamkeit entlegener Orte. Unter den Themen „Ararat“, „Verschwundene Landschaften“, „Sonnenstand“, „Grenzlandschaft“, „Erinnerungslandschaft“, „Transitorte“ waren Arbeitszyklen zu sehen: Kestner Gesellschaft Hannover 1981; Art Institute Chicago 1997; IVAM Valencia 2002; Galerie AEDES Berlin 2004+2008; in jüngster Zeit im Museum Ludwig Köln 2006 und in der Fundacion BBK Bilbao sowie im Musée de la Ville Paris in „La Photographie à Düsseldorf“ in 2008.

(Presseinformation)

Tongkonan, Alang und das Haus ohne Rauch 
Aedes am Pfefferberg, Berlin, 2008

 

Tongkonan, Alang und das Haus ohne Rauch
Häuser für Lebende und Tote
Tana Toraja, Sulawesi, Indonesien

Ursula Schulz-Dornburgs Fotografien von Wohnhäusern, Reisspeichern und Totenhäusern der Torajas in den Bergen von Sulawesi, Indonesien erwecken Sehnsüchte, ohne dass man sie in Worte fassen kann. Vielleicht gehört dazu auch das von ihr immer wieder thematisierte Urbedürfnis des Menschen nach einer Behausung, nach einem Zuhause. Unbeeinflusst von der kolonialen Entwicklung des Landes sind diese Architekturen über ihre Schutzfunktion hinaus durch einen, das gesamte Universum einschließenden Symbolismus geprägt.

Auch wenn der Blick der Fotografin die Gebäude nicht zum Monument stilisiert und immer im Kontext von dörflicher Struktur und Landschaft erfasst, so gelingt es Ursula Schulz-Dornburg doch, nicht nur die Schönheit dieser so genannten anonymen Architekturen zu erfassen, sondern auch deren selbst bewusste Kraft und unverwechselbare kulturelle Aussage.

"Wohnhäuser, Reisspeicher, Totenhäuser stehen da wie gelandete Raumschiffe. Gestrandet in der wuchernden Vegetation, doch jeden Augenblick zum Abheben bereit, bedient und belebt von den Menschen, die keine Eile haben, weil sie die großen und die kleinen Dinge in ihrem Zusammenhang sehen." (Peter Kammerer)

In allen Arbeiten der Künstlerin wird nicht nur deutlich, dass diese Behausungen für Lebende und Tote nur in und durch eine Gemeinschaft entstehen können, sondern auch welchen Gefahren der Mensch in seinen Lebensräumen ausgesetzt ist und immer sein wird, oft gerade in dem Maße, in dem Kulturen durch politischen und wirtschaftlichen Druck ihre eigene Identität zu verlieren drohen.

Die stillen in schwarz-weiß gehaltenen Bilder der Fotografin entziehen sich dem schnellen Blick. Sich in sie zu vertiefen bedeutet das Zulassen von neuen Begegnungen und Erfahrungen - mit Wohn-und Kultstätten, mit der Natur, mit Schönheit, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit.

Ursula Schulz-Dornburg wurde durch zahlreiche Publikationen und Ausstellungen in Europa (z.B.Museum Ludwig, Köln) und in den USA (z.B. Art Institute Chicago) bekannt und erlangte internationale Anerkennung. Die Künstlerin lebt in Düsseldorf.

Eine Ausstellung im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie, Berlin. 

(Presseinformation)

 

SONNENSTAND
Bibliotheca Alexandrina, Alexandria, 2008

LUZ DE LA FOTOGRAFÍA. SILENCIO DE LA ARQUITECTURA. 
Auditorio de San Francisco, Ávila, 2008

 

Un conjunto de 88 fotografías articuladas en dos temas: los Buddhas en Pagan (presencia de la ausencia), las ermitas mozárabes del Pirineo (la luz que penetra por la ventana absidal como calendario en el altar)
Se utilizarán las capillas laterales del auditorio de San Francisco, lugar donde se celebrará el Congreso Internacional de mística. Estas capillas están separadas del auditorio por unos tabiques de cristal de forma que las fotografías serán vistas mientras transcurre el congreso.
Todas sus fotografías giran en torno al concepto de Shelter (refugio) y la espiritualidad. Se trata de un concepto que, dentro de la historia del arte y de la arquitectura del siglo XX muestra espacios intermedios y márgenes, lugares y situaciones de tránsito, marcados por una dinámica que suele crearse cuando comienzan a interactuar realidades distintas.

 (Presseinformation)

Photographie 
Beck & Eggeling new quarters, Düsseldorf, 2008

presencia y ausencia 
Fundación BBK, Bilbao, 2008

Fotografien
Kunstverein, Krefeld, 2007

PAGAN Zeit aus Stein 
Galerie Sabine Knust, München, 2006

Architekturen des Wartens 
Museum Ludwig, Köln, 2006

Irgendwo in weiter Landschaft stehen sie in erhabener Strenge als Eisengerüste mit lächerlichen Ornamenten oder in grauem Beton da: Haltestellen in Armenien. Weder Pavillon noch Kiosk, weder Bunker noch Tankstelle scheinen diese merkwürdigen Gebäude den Menschen Schutz zu versprechen, aber diese sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Die Anwesenheit der Menschen ist zeitlich bedingt, denn sie warten in grotesker Einsamkeit auf einen Bus, der die Erlösung bringt. Diese Unorte der Architektur hat Ursula Schulz-Dornburg in den Jahren von 1997–2001 fotografiert. Es entstand eine Serie von Fotografien, die groteske Architekturen zeigen, aber auch Pathosformeln des einst real existierenden Sozialismus beschwören.

(Presseinformation)

Link Transit Orte

Wüste am 45. Längengrad 
Kunst-Station St. Peter Köln, 2006

Der Evergislus-Schrein aus der Taufkapelle von Sankt Peter — eine Nachbildung des in der Französischen Revolution geraubten alten Gehäuses — wurde zum Modell für die Pultvitrinen, die auf der Empore der spätgotischen Kirche die fehlenden Hängeflächen ersetzen. Nach seinen Maßverhältnissen entstanden drei gerüstartige Schreinkonstruktionen. Evergislus war einer der ersten Bischöfe von Köln im 6. Jahrhundert, jenem Jahrhundert, aus dem die frühesten Höhlenarchitekturen der Höhlenklosteranlage von Dawit-Garedscha an der georgisch-aserbaidschanischen Grenze stammen. Sie bilden einen der beiden großen Themenkomplexe der Photographien, die diese Ausstellung von Ursula Schulz-Dornburg zeigt. In immer neuen Konstellationen und Blickachsen wird hier auf ein übergreifendes Thema verwiesen: Wüste und Religion, Wüste und Schrein — Schrein, Haus, Höhle.

Barbara Catoir

Link 15 Kilometer entlang der Georgisch-Aserbaidschanischen Grenze

Architekturen des Wartens 
Galerie Elke Dröscher, Hamburg, 2005

Architekturen, die verloren in karger Landschaft stehen - Pavillon, Tankstelle, Container, Bunker, Laderampe. Gebaut aus Beton, teilweise mit Eisenornamentik verziert, markieren sie Punkte in der weiten Steppe, ohne auf verbindende Wege zu verweisen. Nur die Anwesenheit von einigen einsamen Wartenden lässt ahnen, dass die von Zeit, Wind und Wetter ausgehöhlten Bauwerke am Rande der Zivilisation doch auch kleine Monumente des Innehaltens und Durchhaltens sind.
Die stillen, beinahe minimalistischen Photographien von Ursula Schulz-Dornburg entziehen sich einer hastigen Betrachtung. Sie verlangen ein sich Einlassen auf neue Erfahrungen und laden zu philosophischen Reflexionen ein.

(Presseinformation)

Architekturen des Wartens
Galerie AEDES West, Berlin, 2004

Die Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg zeigen Unterstände zwischen Straße und Horizont, Siedlungsrand und Gebirge, Steppe und völligem Nichts in Übergangszonen, an denen sich die Frage stellt nach dem Zuhauseseinkönnen in einer Welt, in der sich die vertrauten Bezüge rasend schnell auflösen, in einer Welt der Migrationen und des Exils, eines neuen Nomadismus ohnegleichen.
Der Blick der Fotografin ist keineswegs monumentalisierend auf die Architektur gerichtet. Sie paktiert mit der im Hintergrund erscheinenden Landschaft und mit den wartenden Menschen davor. Die Menschen sind der lebendige Beweis für den blanken Nutzen der Gebäudeüberreste selbst in der Gegenwart, trotz ihrer ursprünglich gravitätisch-befremdenden Form und gerade angesichts ihrer gravierenden Baufälligkeit.
Die Bilder zeigen schweigsame, auf das Wesentliche reduzierte Situationen, die sich aus einem inneren Kern-Raum der Leere, der Stille heraus entfalten.
Schulz-Dornburgs fotografisches Werk bezieht sich auf eine der großen Entwicklungslinien der Moderne, indem Raum als dynamischer und mitunter dramatischer Prozess in Erscheinung tritt. Landschaften und Orte erscheinen in einer fragilen Balance von Entstehen und Vergehen, die Dinge stehen im Licht ihrer Endlichkeit.
Die Ausstellung findet statt im Zusammenhang des "Europäischen Monats der Fotografie".

(Presseinformation)

Link Transit Orte

Sonnenstand 
Kirkeby-Chapel, Insel Hombroich, seit 2004 (Dauerausstellung)

© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg
© Bild: Ursula Schulz-Dornburg

TURNED AS THE WORLD TURNS
by Lawrence Weiner

Erinnerungslandschaften 
Galerie Werner Klein, Köln, 2004

Across the territories 
Galeria Casa Vallarta, Guadalajara, Mexiko, 2004   
Centro Fotogràfico Alvares Bravo, Oaxaca, Mexiko, 2003

Sala Manuel Álvarez Bravo. 
Oaxaca, Mexico, 2004

Across the territories 
IVAM, Institut Valencia d´Art Modern, Valencia, 2002 

IVAM, Institut Valencia d´Art Modern 
Valencia, 2002

STARS DONT STAND STILL FOR ANYBODY 
by Lawrence Weiner

LIGHT AND PLACE

"You will not return. Remember, turn not aside,
as you journey, from what is so simple
to appreciate: this wheat and the house"

SALVADOR ESPRlU Llibre dels morts

Numerous exhibitions in Europe and the USA have brought international fame to the German photographer Ursula Schulz-Dornburg, whose work is now presented in Spain for the first time on such an extensive scale. The exhibition includes five series, created between 1980 and 2001, which show specific places in a basic, archetypal way: the interlocking cycles of time, represented in sculptural spaces of stone, light and dark that are caught up in a process of continual change, in the series Sonnenstand (Solar Position) and Grenzlandschaften (Borderscapes); the line of the horizon between water and sky in Verschwundene Landschaft (Vanished Landscape), the landscape of the Tigris in ancient Mesopotamia; the travails of waiting at bus stops in the middle of nowhere, in the series Transitorte (Transitsites); the extreme situations in the Arctic reproduced in dioramas In a museum in St Petersburg, in Erinnerungslandschaften (Memoryscapes).

These are silent situations, reduced to the absolute essential, developing from an inner core of emptiness and stillness. In this respect, Schulz-Dornburg's photographic work links up with one of the most important lines of development in modern art, for space appears here not as static volume but as dynamic process, and emptiness not as lack but rather as a horizon of events, a force field in which things appear and disappear: they are seen in the light of their finite nature.

In Schulz-Dornburg's photographic narratives there is a layering of fragmented, linear, cyclic, interwoven structures. The world of the image forms at the intersection between the places and situations experienced and the perceiving consciousness. These landscapes are both subjective and objective, illuminating flashes revealing situations of transition. Each kind of landscape has its own stories, endlessly mirroring each other in complex topographies.

The house is a perfect symbol of human existence on this planet. It is "our corner of the world", "our first cosmos", the "nerve centre of anthropological cosmology", as Bachelard says in La Poétique de l'espace (P.U.F., Paris 1957). In this sense, the "house" (Haus) may be a cave where a hermit meditates in the Transcaucasus or a chapel on the Camino de Santiago in the Pyrenees, a floating reed-house in the marshes of the Tigris, a tent on an ice floe drifting in the Arctic, or a bus stop. In a world of huge movements of migration, in a turmoil of unparalleled, new, nomadic mobility, we find ourselves reduced again to ignorance about what the philosopher Martin Heidegger described as "dwelling" (wohnen): "our human way of being [sein] on the Earth" (Heidegger, M.: "Bauen Wohnen Denken", in Heidegger, M.: Vorträge und Aufsätze). And for him this is dearly bound up with our condition of mortality.

Schulz-Dornburg shows images of this world, eternal images that reach beyond time. Images from the borders of the globalised world: a temenos, a sacred place in every part of the landscape. Yet as if the borders were also the centre, and the centre extending everywhere.

Kosme de Barañano

exhibition catalogue: A través los Territorios / Across the territories / Fotografias / Photographs 1980-2002 / Instituto Valenciano de Arte Moderno / Valencia

Der 45. Längengrad 
Galerie Sabine Knust, München, 2002

Transit Orte 
Galerie Werner Klein, Köln, 2002

Transitsites 
Neuhoff Gallery, New York, 2001 

Transit Sites
Galerie Wittrock, Düsseldorf, 2001 
Galerie Wittrock, Art | 32 | Basel, 2001 

Vorhänge am Markusplatz in Venedig 
Galerie Elke Dröscher, Hamburg, 2001

Grenzlandschaften 
Galerie Wittrock, Düsseldorf, 2001

Sonnenstand 
Art Institute, Chicago, 1997 
Corcoran Gallery of Art, Washington DC, 1996 
Galerie Wittrock, Düsseldorf, 1992 

Corcoran Gallery of Art

Der Tigris des alten Mesopotamien 
mit Franz Rudolf Knubel 
Museum Das Quadrat, Bottrop, 1984 
Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, 1982 
Kestner-Gesellschaft, Hannover, 1981 

Land aus Schilf und Wasser
Fotoausstellung in der Kestner-Gesellschaft

"Der Tigris des alten Mesopotamien — Darstellung einer Reise in die Republik Irak 1980" überschreibt Franz Rudolf Knubel seinen knappen, nüchternen Bericht über eine Unternehmung, die er mit Ursula Schulz-Dornburg ins alte Mesopotamien unternommen hat. Knubel lehrt Designtheorie und Wahrnehmungslehre in Essen, Schulz-Dornburg ist Fotografin. Die Reise ist — nach einer Burma-Fahrt — die zweite Unternehmung zweier Künstler, zu den Anfängen menschlicher Kulturen zurückzufinden, Ein "Traum", heißt es im Vorwort — der Wunsch, "zum Ursprung der Mythen, zur Synthese von Land und Wasser, zum Land der Sintflut" zu kommen.
Die Künstler, beide Jahrgang 1938, haben diesen Traum realisiert und für andere begreifbar gemacht: in der Kestner-Gesellschaft Hannover ist als Studio-Ausstellung, von der Republik Irak unterstützt, die Reise in das Land aus Schilf und Wasser in Fotos dokumentiert. Nichts ist geblieben von den Schwierigkeiten, heute durch das alte Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris zu fahren. Nichts wird dem Betrachter überliefert von den Abenteuern, den Hindernissen, den Gefahren, der Hitze. Keine Fundstücke, kein Schilfhalm zur Erinnerung. Die Spuren dieser Reise sind eingegangen in eine stumme, eindringliche Folge von Fotografien, in unsentimentale Bilder von Natur, von Menschen und ihren Wohnungen. (Eine Gemeinschaftsarbeit im übrigen, ohne Hinweis darauf, wer welche Fotos gemacht hat.)
Schulz-Dornburg / Knubel fanden auf Ihrer Reise zum Arabischen Golf einen mächtigen Strom zwischen den beiden Flüssen, der wahrscheinlich dem Lauf des Tigris im alten Mesopotamien entspricht. Sie fotografierten, von den Ufern, von der Flußmitte aus, und die Fotofolge der Ausstellung entspricht ihrer langsamen Fahrt in eine biblische Welt: Lehmgebäude von Bauern am Fluß, Kühe, Eselreiter, eine Palme, eine Gruppe von Palmen, Häusergruppen und Zeichen für Gegenwart — ein Leitungsmast, ein landwirtschaftliches Fahrzeug, vermummte Gestalten; schließlich die weite, offene Ebene, in der Land und Wasser ineinander übergehen, Schilfinseln, Schilffelder, Leute in Kähnen, Häuser aus Schilf. Es sind menschliche Behausungen wie eine Arche Noah — schwimmende Hütten, kunstvoll geflochtene Mauern, Dächer und Zäune, Ur-Häuser wie Schiffe im Strom, schweigende Zeugnisse einer archaischen Zivilisation.
Die Fotos, schwarzweiß, von durchgängig mittlerem Bildformat, sind bestimmt von den ruhigen, durch nichts zu irritierenden, breiten Horizontalen der Landschaft. Zwischen Wasser und Himmel liegt das Land, breitet sich das Schilf aus — schmale Streifen am Ende der Welt, wo die Gleichförmigkeit feierlich wird und die Ruhe der Motive meditativ. Wenn Wind weht und das Wasser kräuselt; wenn sich das Schilf bewegt, wenn ein Vogel auffliegt, ein Boot gleitet, wenn Palmen sich im glatten Strom spiegeln, füllt sich die Ruhe an mit Leben. Die uralte Kulturlandschaft ruht in sich. Daß die Realität andere Seiten hat, daß im Irak gekämpft wurde, haben die Künstler erlebt. Gesucht und gefunden haben sie ihren Traum.

Ursula Bode
in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 1981

Bilder bestechender Harmonie

Fragen oder gar Ansprüche auf Komfort, auf Versorgungssicherheiten werden im tourismusgeschädigten Betrachter zurückgerängt bei den Fotografien aus dem Zweistromland an Euphrat und Tigris, wo Ursula Schulz-Dornburg und Franz Rudolf Knubel sich 1980 aufhielten, um den Garten Eden kennenzulernen.

Die Bilder von den Stationen einer Reise in menschliche Urexistenz und Urkultur sind derzeit in der Kestner-Gesellschaft Hannover ausgestellt, ein Lehrstück für Architekten, wie gleichermaßen für die zivilisationsabhängige Wohngesellschaft schlechthin.
In den ganz bewußt nicht aufwendigen, stillen Schwarz-Weiß-Fotos spiegelt sich in den Wassern der ruhig dahinfließenden Ströme die vollkommene Synthese von den Spuren menschlicher Existenz — und das sind weidengeflochtene Hütten, aus Lehm gebaute Dörfer und leichte Boote — mit den natürlichen Gegebenheiten. Die Harmonie ist bestechend, weil sie sich nicht in trügerischer Idylle verliert, sondern im Ausgleich von Funktion und Bedürfnis basiert. Land und Wasser tragen. Mensch und Haus, und diese lapidare Selbstverständlichkeit ist der Schlüssel zu einer ursprünglichen Kultur und Architektur, die in ihrer Ausgangsposition, dem Lebensanspruch des Menschen in einer ihm gerechten Umgebung, übertragbar ist. Ein sorgfältiger Katalog, "lakonisch" (Carl Haenlein) wie die Fotografien, hält die Bildeindrücke der Reise fest. Die Ausstellung wird bis zum 4. Oktober 1981 geöffnet sein.

G. B.

Palace Pier, Brighton
mit Katharina Sattler 
Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld, 1976

Vorhänge am Markusplatz in Venedig 
mit Katharina Sattler 
Galerie Heiner Friedrich, München, 1975 
Galerie Wittrock, Düsseldorf, 1975 

Vorhänge am Markusplatz in Venedig

Der Betrachter dieses Bildes steht auf dem Markusplatz in Venedig. Die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg hat seinen Blick so ausgerichtet, daß er nicht die hinreichend bekannten Touristen- und Taubenschwärme trifft. Er nimmt nur drei unterschiedlich geraffte Vorhänge an den verschmutzten Arkaden der Piazza wahr. Die Stoffe filtern das Licht in den Gängen und beleben die jahrhundertealte Steinfassade mit ihrem Faltenwurf. Im nächsten Moment kann hier schon ein Windstoß ein neues Muster erzeugen, aber die Fotografie fixiert selbst das flüchtige Dekor des Schattens, den eine fliegende Taube auf die Leinwand wirft. Durch diese Silhouette sind die überfotografierten Tauben von St. Markus wie in einem Zitat anwesend, und das scheinbar banale Bild erweist sich bei näherem Hinsehen als ungewöhnliches Porträt eines Touristenzentrums. Wir fanden die Aufnahme in der Fotoserie "Vorhänge am Markusplatz in Venedig", die gegenwärtig von dem Kunsthändler Wolfgang Wittrock in Düsseldorf ausgestellt wird. Ursula Schulz-Dornburg hat die sechsundvierzig menschenleeren Bilder in Zusammenarbeit mit der Architektin Katharina Sattler bereits im Mai 1973 aufgenommen. Sie stehen jetzt als Portfolio in Originalabzügen und auch gedruckt (beim Verlag DuMont Schauberg) zum Verkauf. Die reizvolle Mappe und ihre Ausstellung markieren zugleich eine weitere Etappe in der Eroberung des deutschen Kunstmarktes durch die Fotografie. 

P.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilletton, 1975